Recyclingpapier, der Gewinner

Bei allem was ich für Upcycling Bedsheets tue ist mir wichtig, dass es nachhaltig ist. Es würde sonst keinen Sinn ergeben. Dafür steht das Label und dafür stehe ich. Aus diesem Grund war bei der Erstellung meiner Postkarten klar, dass ich natürlich Recycling Papier verwende. Bei meinem Digitaldruck Dienstleister habe ich mich allerdings schon darüber gewundert, dass Recyclingpapier teurer ist. Auf der Preisliste war das ‚normale neue’ Papier schon mit einberechnet, dann gab es nochmal einen extra Aufschlag für Recyclingpapier. Das hat mich dazu bewogen nochmal etwas genauer zu recherchieren was die Unterschiede zwischen neuem Papier, also Primärfaser-Papier, und Recycling Papier sind. Vor allem in Bezug auf die Ökobilanz aber auch in Bezug auf die Kosten. Wie immer wenn ich zum Thema Nachhaltigkeit recherchiere, schaue ich unter anderem auf der Seite von Utopia. Im folgenden die wichtigsten Fakten kurz zusammen gefasst.

Die Papierindustrie zählt zu den fünf energieintensivsten in Deutschland, so das Umweltbundesamt. 

Problem Rohstoff:

Häufig müssen bei der Herstellung von Primärfaser-Papier artenreiche Wälder Baumplantagen mit nicht-heimischen Bäumen weichen. Das bedroht die Artenvielfalt und fördert das Artensterben massiv. Brasiliens Eukalyptusplantagen beispielsweise werden wegen dieser geringen Artenzahlen bereits als grüne Wüsten bezeichnet.

Problem Herstellung:

Das Problem: Beim Bleichen mit Chlor entstehen chlorierte Kohlenwasserstoffe und die sind sehr umweltschädlich. Diese chemischen Verbindungen werden nur langsam abgebaut und wenn Lebewesen sie durch die Nahrung aufnehmen, dann schädigen sie Nervengewebe, Leber und Nieren, so das Verbraucherinformationsportal Öko-fair.

Chlorfrei gebleicht heißt nur, dass das Bleichverfahren ohne elementares Chlor stattfindet – Chlordioxid ist dabei aber erlaubt. In Deutschland sind chlorhaltige Bleichverfahren nicht zulässig.

Recycling Papier und seine Ökobilanz

Laut dem Umweltbundesamt spart die Herstellung von Recycling-Papier ein Drittel der Wassermenge und die Hälfte der Energie, die für die Herstellung von Primärfaser-Papier gebraucht wird. 1,2 Kilo Altpapier werden benötigt, um ein Kilo Recycling-Papier herzustellen. Ein Kilo Recycling-Papier spart wiederum 2,2 Kilo Holz ein, die ansonsten für die Herstellung von Primärfaserpapier benötigt werden würde. Auch ist der Chemieeinsatz ist bei der Herstellung von Papier aus Altpapier geringer, weshalb es weniger giftig für Umwelt und Menschen ist. 

Wie Öko-fair erklärt, werden die Papierfasern bei jedem Recycling-Vorgang kürzer, sie lassen sich also nicht unendlich wiederverwerten. Daher muss auch in Zukunft noch Holz in der Papierproduktion verwendet werden.

Grundsätzlich ist es sinnvoller, Altpapier zu recyceln statt es zur Energiegewinnung zu verbrennen. Dazu muss Altpapier allerdings richtig entsorgt werden, damit es in den Recycling-Kreislauf gehen kann, also in die Altpapier Tonne.

Auf welche Siegel achten:

Der Blaue Engel ist eines der bekanntesten und verlässlichsten. Es besteht zu 100 Prozent aus Altpapier. Beim Bleichen dürfen keine chlorhaltigen Bleichmittel eingesetzt werden. Gefährliche Chemikalien sind bei der Herstellung verboten und die Gebrauchstauglichkeit ist gewährleistet.

Auf dem Blauen Engel basieren die Siegel ÖKOPA, ÖKOPAplus und vup

Greenpeace empfiehlt nachhaltiges Papier mit der Bezeichnung UWS-Papier: Hierbei wird auf Deinking und Bleichverfahren verzichtet. Reinging ist der Prozess zum Entfernen der Druckfarbe aus bedrucktem Altpapier. Das Altpapier wird dabei durch mechanische und chemische Methoden gebleicht. 

Gut zu wissen:

Servietten, Papierhandtücher, Küchenpapier und Taschentücher enthalten bestimmte Stoffe, damit sie sich beim Kontakt mit Wasser nicht gleich auflösen. Das macht es schwieriger, sie zu recyceln. Verwende daher solche Papierprodukte nur in geringem Umfang oder verzichte auf sie, wo es möglich ist

Und warum ist jetzt eigentlich Recyclingpapier teurer?

Die Produktionskosten sind in der Regel günstiger als vergleichbare Primärfaser-Papier,. Im Gegensatz zu „normalem“ Papier kann auf die teure Zellstoffgewinnung verzichtet werden. Es lässt sich gegenüber Primärfaser-Papier, ca. 10 % sparen.

Wenn ein Schreibwarenladen allerdings eine Palette (100.000 Blatt) Primärfaser-Papier, bestellt, aber nur einen Karton Recyclingpapier, bekommt er bei der geringen Menge natürlich keinen so guten Preis. Für den Kunden wird das Recyclingpapier dann entsprechend teurer.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass Recyclingpapier gekauft wird. Alte Klischees des grauen, qualitativ schlechteres Recycling-Papiers sollten über den Haufen geworfen werden. Denn heutzutage ist Recycling-Papier so gut wie gar nicht mehr von Primärfaserpapier zu unterscheiden, besser für die Umwelt und, würden wir es alle kaufen, besser für den Geldbeutel.

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